Spezielles Katzenfutter gegen Haarballen?

Haarballen bei Katzen sind ein gewöhnlicher Vorgang der Natur. Die meiste Zeit des Tages verbringen die Tiere mit Fellpflege — gern auch gegenseitig. Da die Zunge der Katzen ähnlich wie eine Bürste aufgebaut ist, bleiben die Haare darin hängen, werden heruntergeschluckt und gelangen so in den Magen der Katze. Dort fügen sie sich aneinander und werden zu Haarballen, die auch Trichobezoar genannt werden. Da dies in der Entwicklung der Katze nicht zu ernsthaften Schädigungen führte, blieb diese Eigenart erhalten. Nur in seltenen Ausnahmefällen sind ernste Erkrankungen die Folge, wie ein Darmverschluss oder ein Haarballen in der Speiseröhre.

 

Das richtige Futter hilft — Oder?

Katze, die sich die Augen zuhältWährend die Katzen mit dem Erbrechen der Haarballen meist gut leben können, ist der klebrige Klumpen auf dem Boden für die Besitzer meist ein Dorn im Auge. Viele Firmen bieten daher den leidgeplagten Besitzern spezielles Katzenfutter an, das effektiv gegen die Bildung von Haarballen wirken soll. Doch funktioniert das wirklich? Um das zu entscheiden sollte man sich den natürlichen Vorgang im Körper der Katze genauer ansehen: die Haarballen werden über ein Erbrechen ausgeschieden, weil im Magen nicht ausreichend Flüssigkeit vorhanden ist, um die Haare aus dem Darm heraus abzusondern. Daher beginnt die Katze ab einer gewissen Größe des Haarbündels zu würgen und zu erbrechen. Und genau dort muss man ansetzen: effektive Vorsorge, damit die Haare der Katze mit dem Stuhlgang ausgeschieden werden können.

 

Alles nur Marketing der Industrie

Wenn man den Markt genauer betrachtet, findet sich dort jedoch kein Katzennassfutter, das explizit zur Vorbeugung von Haarballen angeboten wird — im Trockenfutterregal dagegen wird man sehr schnell fündig. Wenn ein Besitzer dem Tier nämlich hochwertiges Nassfutter zukommen lässt, fällt es der Katze deutlich einfacher, die Haare ganz von selbst durch den Darm auszuscheiden. Große Probleme mit Haarballen gibt es daher überwiegend bei Tieren, die ausschließlich oder zu einem großen Teil von Trockenfutter ernährt werden.

Da Katzen ursprünglich aus Wüstenregionen stammen, gewinnen sie den größten Teil ihres Flüssigkeitsbedarfes aus der Nahrung — getrunken wird erst kurz vor der Dehydrierung. Somit kann ein ausreichender Flüssigkeitsbedarf bei Katzen ausschließlich über das Füttern von Nassfutter gewährleistet werden. Ein weiterer Aspekt sind die Mengen von Getreide, die häufig in Trockenfutter und gelegentlich in günstigen Nassfuttersorten vorkommen: Getreide kann vom Körper der Katze nicht verstoffwechselt werden und wird ungenutzt ausgeschieden. Das ist nicht nur eine stetige Belastung der Organe, sondern trägt auch maßgeblich zur Bildung von Haarballen bei. Bei den zahlreichen Anti-Hairball-Trockenfuttern handelt es sich also um eine reine Marketing-Strategie, die den Haarballen-gestressten Menschen eine schnelle Hilfe vermitteln solll.

Auch Malzextrakt wird vielen Katzenbesitzern als Wunderheilmittel gegen Haarballen empfohlen. Während Malz in der Theorie tatsächlich eine magenberuhigende Wirkung nachgesagt wird, kommt in den handelsüblichen Malzpasten meist eine große Menge Zucker vor, die sich ebenfalls wieder negativ auf die Gesundheit auswirkt und das Risiko, an Karies zu erkranken, deutlich erhöht.

 

Was hilft wirklich gegen Haarballen?

Dauerhaft wird man seiner Katze den leidigen Vorgang der Fellaussonderung nicht ersparen können — bei jedem Putzvorgang gelangen neue Haare in den Magen. Es gibt jedoch ein paar Tricks, die den Alltag erleichtern. Hierzu zählt ein stets vorhandenes Angebot an frischem Katzengras für das Tier. Hier sollte darauf geachtet werden, dass es sich um weiches Gras handelt, damit die Halme nicht im Rachen der Katze stecken bleiben. Auch Zimmerbambus, eine weichere Alternative zum Katzengras, hat sich als Hilfe gegen Haarballen bewährt.

Ebenfalls ist eine regelmäßige und umfangreiche Fellpflege von Vorteil. Die zahlreichen Katzenhaare, die das Tier beim Putzen aufnimmt, lassen sich deutlich reduzieren, wenn bereits lockere und alte Haare regelmäßig aus dem Fellkleid entfernt werden. Insbesondere beim Wechsel von Winter zu Sommer ist dies wichtig, da sich in diesem Zeitraum das Winterfell löst und besonders viele Haare in den Magen der Katze gelangen.

Eine gesunde und artgerechte Ernährung ist jedoch die beste Empfehlung, um regelmäßiges Erbrechen der Katzen zu vermeiden. Hochwertiges Nassfutter, das ausschließlich aus verdaubaren Zutaten wie Fleisch besteht und auf Bestandteile wie Zucker und Konservierungsstoffe restlos verzichtet, hilft nicht nur effektiv gegen die Bildung von Haarbällen im Magen, sondern verbessert auch den Allgemeinzustand des Tieres.

14 Comments
  1. Reply
    Nadine Schnittenhelm 20. Juli 2017 at 15:48

    Also das habe ich noch nie gehört. Aber vielen herzlichen Dank für den Artikel. Es leuchtet ja ein, dass wenn die Katze die Haarballen verschluckt, dies nicht gut sein kann. Aber ich habe das ehrlicher Weise noch nie gehört.
    Vielen Dank!

  2. Reply
    Iris 21. Juli 2017 at 12:47

    Das Problem mit den Haarballen haben mein Freund und ich gut in den Griff bekommen. Unsere Katze erbricht äußerst selten Haarballen, vielleicht ein Mal alle zwei Monate oder noch seltener. Wir geben zwei Mal die Woche die Malzpaste von GimCat. Die ist zuckerfrei und hat keine Farb-und Konservierungsstoffe. Wir nehmen einfach etwas auf den Finger davon, dann kommt die Katze schon an und schleckt es weg. Es scheint ihr zu schmecken. Als Hauptfutter bekommt sie hochwertiges Nassfutter, zusammen mit der Malzpaste gibt es somit keinen Ärger mit Würgen und Erbrechen.

    • Reply
      Anneliese Peters 8. Oktober 2017 at 12:10

      Mit „zuckerfrei“ ist hier wohl „ohne zusätzlichen Zucker“ gemeint? Nicht konzentriertes Malz enthält zu etwa 10% Zucker, Malzextrakt um die 50%!

  3. Reply
    Leila M. 25. Juli 2017 at 17:15

    Haarballen, das Problem ist bei Katzen kein bekannt. Also wir füttern einfach nur Nassfutter, sie bekommt keine Milch, sondern Wasser, und wenn ich merke, dass sie erbricht und würgen tut, dann nehme ich ein Tuch und wische ihr das Mündchen ab. Das passt schon.

  4. Reply
    Hannah 3. August 2017 at 21:32

    Auch ich habe gute Erfahrung mit Malzpasten gemacht. Wenn ich meinem Stubentiger ab und zu von der Paste was gebe, bleibt Würgen und Erbrechen weitestgehend aus. Wenn es dann doch mal passiert, bleibe ich gelassen, da ich keinen Teppichboden in der Wohnung habe und das Erbrochene somit schnell wegwischen kann.

    • Reply
      Anneliese Peters 8. Oktober 2017 at 12:12

      Der enthaltene Zucker ist für Katzen halt nicht gerade gesund… auch wenn Zucker nicht noch mal extra auf der Tube steht, Malz enthält immer Zucker (vor allem Malzextrakt, um die 50%!).

  5. Reply
    Susie 31. August 2017 at 13:54

    Meine Katze hat zum Glück auch nur selten Probleme mit Haarballen. Wir füttern nur Nassfutter und stellen immer Wasser bereit. Von den Malzpasten habe ich noch gar nichts gehört, werde ich mal ausprobieren, ob das Erbrechen das ganz ausbleibt. Zum Glück haben wir Laminat, so dass wir schnell wischen können, wenn mal etwas Mageninhalt auf dem Boden landet.

  6. Reply
    Anneliese Peters 8. Oktober 2017 at 12:14

    Bei unseren Freigängern brauchten wir zum Glück nie ein Spezialfutter gegen Haarballen oder extra Zimmerpflanzen. Selbst der Hund frisst gerne mal Gras, wobei da die Meinungen ja auseinandergehen, warum Hunde das tun (neben einer stark befahrenen Straße oder an einem Feldrand mit evtl. pestizidbelastetem Gras sollte man das natürlich unterbinden).

  7. Reply
    Isa 27. Oktober 2017 at 9:33

    Bei Spezialfutter gegen Haarballen war ich schon immer skeptisch – ein Freigänger braucht das in aller Regel nicht, und für Wohnungskatzen gibt es doch genügend natürliche Alternativen. Zucker in Form von Malz oder gar Holzfasern finde ich da sehr befremdlich.

    • Reply
      Yvette 25. Dezember 2017 at 23:29

      Das finde ich ebenfalls – Spezialfutter gegen Haarballen ist in meinen Augen überflüssig, da gibt es genügend Alternativen.

  8. Reply
    Tamara 12. November 2017 at 13:44

    Unsere Katzen sind bisher immer wunderbar ohne irgendein Spezialfutter gegen Haarballen ausgekommen. Gute Alternativen zeigt ja auch euer Katzengras-Artikel.

  9. Reply
    Siglinde 15. Januar 2018 at 11:20

    Meine erste Katze habe ich damals mit Trockenfutter gefüttert. Sie hat öfter mal Haarballen erbrochen, ist aber trotz Trockenfutter recht alt geworden. Bei meiner zweiten Katze bin ich auf Nassfutter umgestiegen und muss sagen, dass sie tatsächlich ganz selten mal Klumpen erbricht. Ein spezielles Futter wegen Haarballen verwende ich nicht.

  10. Reply
    Ariane 25. Januar 2018 at 15:21

    Meine Perserkatze betreibt aufgrund ihrer Felldichte natürlich viel Fellpflege. Ich bürste sie jeden Tag und gebe ihr ab und zu eine Malzpaste zum Nassfutter. Mit dem Programm fahren wir ganz gut, es kommt selten vor, dass sie mal etwas erbricht.

  11. Reply
    Andreas Krüger 30. Januar 2018 at 19:38

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass Spezialfutter gegen Haarballen wirklich notwendig ist, und oft scheint es ja nicht mal sehr gesund zu sein. Unsere Katzen kamen bisher immer ohne aus und hatten immer Zugang zu frischem Gras. Wobei ich mittlerweile auch einer Freigängerkatze ein gutes Katzengras anbieten würde, nicht dass sie am Ende die Halme an einem gespritzten Feld dem heimischen Garten vorzieht… Zumal wir im Garten darauf achten, zwar insgesamt einen vogel- und insektenfreundlichen Garten zu haben (ok, die Katze macht ihn evtl. etwas vogelunfreundlicher ;-), die Vögel haben aber genügend Rückzugsmöglichkeiten bei uns). Aber den Rasen an sich halten wir gerne halbwegs kurz, damit die Gräser nicht blühen, das wollen wir einigen allergiegeplagten Nachbarn lieber nicht aus nächster Nähe zumuten.

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